Unternehmenskultur

webfactory und KI – eine Standortbestimmung

Was bedeutet die rasante Entwicklung von KI für uns als Unternehmen, für unser Geschäftsmodell, die Zusammenarbeit mit Kunden und uns persönlich?

Artikel von:
Matthias
Veröffentlicht am:2026-03-02

In diesem Beitrag

Datengetriebene Systeme, maschinelles Lernen und generative Modelle, oft zusammengefasst unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI), verändern seit einigen Jahren die technologische Landschaft in atemberaubendem Tempo. Sie eröffnen neue Möglichkeiten, versprechen Effizienz- und Produktivitätsgewinne und verunsichern zugleich durch die Aussicht auf tiefgreifende Veränderungen unserer Arbeits- und Lebenswelt.

Wir sind ein technikaffines Unternehmen. Technische Neugier, Entdeckergeist und Offenheit für neue Herausforderungen sind Teil unseres Selbstverständnisses und unserer Unternehmenskultur. Wir empfinden Freude daran, neue Technologien zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Wir sind offen für Experimente und neue Lösungswege. Wir lernen durch Ausprobieren und kontinuierliche Verbesserung.

Daher möchten wir uns den Entwicklungen der KI nicht verschließen. Wir möchten die Möglichkeiten verstehen und herausfinden, wie sie sinnvoll, wertschöpfend und verantwortungsvoll eingesetzt werden können. Aber wir haben auch Sorgen, offene Fragen und zum Teil keine Antworten.

Frage nach Verantwortung

KI-basierende Anwendungen entstehen und werden schneller ausgerollt, als gesellschaftliche Diskussionen, rechtliche und ethische Rahmenbedingungen sich entwickeln können. Wir sehen grundsätzlich ungeklärte Fragen.

Das betrifft die Verantwortung der Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln und verbreiten. Der Hunger nach immer umfassenderen und stets aktuellen Trainingsdaten führt dazu, dass kreative Werke Dritter häufig ohne explizite Zustimmung oder Vergütung genutzt werden, mitunter sogar gegen geltendes Recht. Nicht immer ist transparent, wie Inhalte aus der Interakt­ion mit KI-Anwendungen in zukünftige Trainingsprozesse einfließen. Der Schutz kreativer Arbeit, von Privatsphäre und Vertraulichkeit sowie eine faire Verteilung der Wertschöpfung bleiben große offene Herausforderungen.

Zumindest heute benötigen KI-Systeme erhebliche Energie- und Ressourcenmengen. Training und Betrieb großer Modelle haben messbare ökologische Auswirkungen. Nachhaltigkeit muss daher Teil der Bewertung sein. Kosten werden teilweise externalisiert — etwa wenn Online-Angebote durch massenhaftes automatisiertes Abrufen von Inhalten belastet werden, während menschliche Besucher zunehmend ausbleiben und damit Erlösmodelle der Anbieter unter Druck geraten. Auch Open Source Software leidet darunter, wenn Code und Dokumentation auf der einen Seite zum Training von Modellen verwendet werden, auf der anderen Seite aber die Arbeitsplätze der Menschen, die diese Projekte betreuen und voranbringen, Opfer KI-getriebener Rationalisierung werden.

Auch Unternehmen, die KI zur eigenen Aufgabenerfüllung einsetzen, müssen sich mit ihrer Verantwortung auseinandersetzen. Dazu gehören mögliche Auswirkungen auf Arbeitsmärkte, die Verantwortung für Fehlentscheidungen automatisierter Systeme sowie Sicherheitsaspekte KI-basierter Lösungen, die erst ansatzweise  verstanden werden. Funktionierende IT-Systeme sind für die Stabilität unserer Gesellschaft wesentlich. Es ist denkbar, dass sich durch den zunehmenden Einsatz von KI über die Zeit systemische Risiken in diesen Systemen entwickeln.

Nicht zuletzt berührt uns der Einsatz von KI auch menschlich. Für jede und jeden von uns stellt sich die Frage, wie sich die eigene Arbeit und fachliche Leistung, über die wir uns auch persönlich definieren, in den kommenden Jahren verändern wird. Aspekte unserer Arbeit werden verschwinden oder sich wandeln, gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten. Die damit verbundene Ungewissheit ist belastend.

Auf alle diese Fragen haben wir derzeit keine guten, schlüssigen Antworten. Wir sind zwiegespalten: Den Einsatz von und die Beschäftigung mit KI zurückzustellen, bis wir die Antworten haben, würde bedeuten, den Anschluss zu verlieren. Die Fragen zu ignorieren und KI durch ihren Einsatz zu legitimieren, fühlt sich ebenfalls nicht richtig an.

Perspektive für uns als Unternehmen

Unsere wirtschaftliche Existenz als Unternehmen basiert wesentlich auf Softwareentwicklungsleistungen. Was bedeutet es für uns, wenn sich das Versprechen einiger KI-Unternehmen erfüllt, Software zu einem jederzeit erzeugbaren, ubiquitären und kostengünstigen Produkt zu machen? Wenn KI-gestützte Werkzeuge zu erheblichen Effizienzgewinnen führen: Funktioniert dann ein Vergütungsmodell, das Zeit und nicht Ergebnisse vergütet, weiterhin? Welcher Wert würde denn alternativ den Ergebnissen noch zugeschrieben, wenn sie vermeintlich von KI erzeugt wurden?

In den mehr als 25 Jahren seit Unternehmensgründung waren wir immer davon überzeugt, dass Softwareentwicklung natürlich gute handwerkliche Arbeit erfordert. Ihr Erfolg hängt mindestens genauso vom Austausch zwischen Menschen ab: Vom Verständnis fachlicher Anforderungen, vom Einbeziehen der Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern, vom Erkennen technischer und organisatorischer Gestaltungsspielräume und vom vertrauensvollen Dialog aller Beteiligten.

Diese Aufgaben lassen sich nicht durch einen geschickten Prompt an ein KI-System delegieren. KI-gestützte „Vibe-Coding“-Ansätze können kurzfristig schnelle und scheinbar kostengünstige Ergebnisse liefern. Gleichzeitig erzeugen sie „kognitive Schulden“. Damit ist gemeint, dass eine tiefergehende, inhaltliche Auseinandersetzung mit Problemstellung, Kontext und Anforderungen ausbleibt. Es entstehen Lösungen auf Basis nur oberflächlich behandelter Annahmen, deren genaue Wirkungsweise und Zusammenhänge später kaum zu rekonstruieren sind.

Der Wert für unsere Kunden entsteht durch Verständnis, Verantwortung und Erfahrung. KI verändert unsere Werkzeuge und Arbeitsweisen. Sie ist so hoffentlich keine Bedrohung unserer Existenz, sondern verschiebt den Schwerpunkt von Umsetzung und Produktion hin zur Analyse und zur gemeinsamen Gestaltung möglicher Lösungen.

Der Bedarf an Verständnis, Verantwortung und Urteilsvermögen bleibt. Problemlösung erfordert weiterhin menschlichen Austausch und menschliche Perspektiven. Vertrauen, Qualitätsbewusstsein und Kontextverständnis bleiben relevant.

Bedeutung für unsere interne Arbeit

Wir möchten weiterhin neugierig und offen erkunden, wie KI-Werkzeuge eingesetzt werden können, um unsere Arbeit und ihre Ergebnisse zu verbessern. Vielleicht werden wir effizienter. Vielleicht erhöhen wir die Qualität unserer Ergebnisse.

Die Herausforderung besteht darin, in einem sich rasant entwickelnden Feld zu erkennen, welche Möglichkeiten tatsächlich bestehen. Was ist Hype — und was schafft echten Nutzen?

Wie erkennen wir funktionierende Ansätze, bewerten Erfahrungen systematisch und geben sie im Team weiter? Wie halten wir dieses Wissen aktuell in einem Umfeld, das sich innerhalb von Monaten, nicht Jahren, verändert?

Kontinuierliches Lernen war schon immer Teil der Arbeit in unserer Branche. Auch in diesem Fall möchten wir versuchen, das Lernen als gemeinsamen Prozess zu gestalten und Wissen zu teilen. Der technologische Fortschritt entsteht nicht durch die Tools, sondern durch ihren sinnvollen Einsatz – durch Menschen wie uns.

Beim Einsatz von KI-Werkzeugen wollen wir kritisch bleiben und nicht bequem werden. Der Wert für unsere Kunden und unser Selbstwert am Arbeitsplatz entstehen gleichermaßen aus der Überzeugung, sich angemessen mit den Problemen und möglichen Lösungen auseinandergesetzt zu haben. Wir wägen Optionen  ab, finden Kompromisse und streben die bestmöglichen, unter den gegebenen Umständen erreichbaren Ergebnisse an. Diese Aufgabe und damit verbundene Entscheidungen wollen wir nicht an Systeme delegieren, deren Funktionsweise und Ergebnisse nur zum Teil transparent, nachvollziehbar oder reproduzierbar sind.

KI-basierte Werkzeuge können uns helfen, bei bestimmten Aufgaben schneller ans Ziel zu kommen. Das Ziel zu definieren und dabei unsere Ansprüche zu wahren, bleibt unsere eigene und persönliche Aufgabe.

Interesse geweckt?

Wir hören gerne zu, wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema haben. Und wenn Sie ein Projekt, ein Produkt, ein Problem oder eine Idee mit uns besprechen möchten, freuen wir uns erst recht über ein Gespräch!

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