Von Kommandozeilen und Kaffeekränzchen

Jetzt bin ich schon etwas über zwei Monate bei webfactory und ich glaube die Zeit ist reif für eine kleine Zusammenfassung, wie es mir so ergangen ist. Eins vorab: Ich musste noch kein einziges Mal strafkochen*!

2014-06-20

Die zwei Monate, die ich schon hier bin, sind definitiv wie im Flug vergangen. Gerade noch ließ ich mir die Kundenliste erklären, jetzt erkenne ich sogar schon die ersten Stimmen am Telefon! Und das ist noch nicht alles, was sich in der Zeit getan hat. Aber noch mal an den Anfang...

Schon Mitte letzten Jahres (also noch in meinem alten Job) überkamen mich hin und wieder Zweifel, ob das, was ich da tat, das Richtige für mich war. Aber es war mein erster richtiger fester Job nach dem Studium und den wollte ich nicht einfach aufgeben. Die Monate vergingen und die Zweifel wuchsen. Und es war nicht so, als würde mir die Arbeit selbst grundsätzlich keinen Spaß machen. Ich habe Projekte überwacht, mir Konzepte überlegt, Prototypen designt und viel Kundenkontakt gehabt. Mich störten die Umstände, unter denen ich meine Arbeit zu verrichten hatte. Das fing dabei an, dass viele wirklich wichtige Dinge nicht kommuniziert wurden, der Informationsfluss grundsätzlich von allen (noch so unbeteiligten) Seiten zunächst an einem vorbei lief und schließlich auf einen herabprasselte, kein Raum für Entfaltung und Fortbildung blieb, man mir immer wieder in die Arbeit hineinredete, weil es anders angeblich immer genau richtig war, und schlussendlich doch nichts davon würdigte. Und auch die Projektarbeit gestaltete sich dank Wasserfällen auf der einen und Zeitmangel auf der anderen Seite häufig mehr als zäh. Das sind nur einige Punkte auf einer Liste, die letztlich dazu führte, dass ich etwas ändern wollte.

Anfang des Jahres reichte ich meine Kündigung ein und machte mich auf die Suche. Wonach? Nach einem Ort, an dem man seine Mitarbeiter schätzt und fördert, an dem man offen über Dinge spricht und Probleme angeht, statt sie zu unterdrücken.

Meine Suche war nicht lang, aber sie führte mich über viele dunkle Teppiche, durch eine Kantine, insgesamt etwa zehn Stockwerke zu Fuß hinauf und auf jeden Fall mehr als eine Tankfüllung weit. Und letztlich landete ich, über einige Umwege, hier. Nicht in diesem Blog, aber in dieser Agentur.

Schon über die Stellenbeschreibung hatte ich mich gefreut, war sie doch einladend und informativ und gab mir zugleich nicht das Gefühl, dass man mir etwas aufzuschwatzen versuchte. Beim ersten Gespräch wirkten alle vorbereitet und sympathisch. Es gab guten Kaffee. Wie ich inzwischen weiß, benahmen sich alle so, wie sie sich immer benehmen. Keine Show, keine Verkleidungen, kein dämliches Grinsen, weil man nicht weiß, was man sagen soll. Das ein oder andere Lachen gab es aber schon. Und beim zweiten Treffen waren dann auch alle anderen dabei. Und wieder gab es guten Kaffee. Und mein seither sehr positiver Eindruck vom Team hält sich.

Die ersten Tage waren für mich sehr ungewohnt. Vorher hatte ich immer genau gewusst, was ich tat, habe sogar Neulinge eingearbeitet und nun musste ich praktisch bei Null anfangen. Wie funktioniert noch mal dies? Wo finde ich noch gleich das? Wieso um alles in der Welt steht hier jenes? Oh. Ach so. Deshalb. Klar, macht Sinn (Ich spreche hier vor allem von Dingen, die direkt oder indirekt mit der Kommandozeile zu tun haben, ein schwarz-weißes Monster, das auf meinem Bildschirm lebt). Jeder war und ist noch immer bereit mir Dinge zu erklären. Und man wurde meiner Fragerei nicht überdrüssig. Im Gegenteil: Meine Fragen stießen nicht selten Diskussionen und Nachdenken an. Niemand bewertete mich nach einem Fragebogen (und ja, das hatte man voriges Jahr noch getan), niemand versuchte mich in die eine Schublade zu stecken, die irgendwie am ehesten zu mir passt. Niemand war und ist der Meinung, dass es nur die eine richtige Lösung gibt. Man fragt.

Kannst du das? Gut. Möchtest du jenes probieren? Klasse. Das hat nicht so gut funktioniert? Macht nichts, reden wir drüber, das kriegen wir schon hin.

Dinge gemeinsam angehen. Sich einbringen. Ideen auch mal umdrehen. Miteinander statt gegeneinander arbeiten. Motivieren statt demoralisieren. Lernen.

Aus „Wie konnte das passieren?“ (ein Satz, der mich lange verfolgt hat), ist „Was können wir daraus lernen?“ geworden. Und ich lerne jeden Tag. Gemeinsam mit fähigen und verständnisvollen Kollegen.

Ob das, was ich tue, das endgültig Richtige für mich ist? Das wird die Zeit schon zeigen (meine Mutter fand ihre wahre Berufung erst mit über 50). Aber die Umstände könnten diesmal besser nicht sein. Und ich fress’ nen Besen, wenn hier nicht noch mehr drin steckt, als ich in der kurzen Zeit erhaschen konnte.

*Kurze Erklärung zum Strafkochen: Wer nicht oder zu wenig Zeit auf cases verbucht - wichtig für Projektauswertungen - der muss zur Strafe unabhängig von seiner Ringzahl kochen und darf danach keine Ringe einsammeln.

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